Warum wehren sich die Bürger im Norden von Norderstedt?

Im Jahre 2012 wurde von der Stadtvertretung Norderstedt die 6. Änderung des Norderstedter Flächennutzungsplanes FNP 2020  beschlossen. Diese Änderung weist neben der Erweiterung des Umspannwerkes u.a. auch ein Baugebiet „… südlich Schleswiger Hagen …“ auf. Das ist heute leider Fakt!

BAUEN NICHT UM JEDEN PREIS

Wie ist die 6. Änderung des FNPs im Verfahrensablauf der Stadt gehandhabt worden?

In Zeiten der weltweiten Klimakatastrophe ist im Rahmen der Energiewende o.a. auch die Ertüchtigung des Umspannwerkes erforderlich, um nördliche Wind- und Solarenergie in den Süden der Republik zu bekommen. Dafür musste das Umspannwerk im Norden Norderstedts massivst erweitert werden. Diese Erweiterung erforderte u.a. eine Umsiedlung eines höchst schützenswerten Biotops mit gefährdeten Amphibien, u.a. der Kreuzkröte. Dieses alles wurde – vermutlich auch auf Grund des hohen „übergeordneten“ politischen Drucks – schnell durchgepeitscht und mit der 6. Änderung des Flächennutzungsplans FNP 2020 der Stadt Norderstedt in die verwaltungstechnischen Formen gegossen.

UND:

Dabei wurden auch gleich noch – still und leise – zwei mögliche Wohnbaugebiete „eingebaut“ (ausgewiesen als W1/W1a und W2), auf die die Bürger im Norden Norderstedts nicht wie sonst  üblich durch Plakataufsteller im betroffenen Gebiet hingewiesen wurden. Die Plakatierung der Einladung zur Öffentlichkeitsveranstaltung blieb damals schlicht und einfach „im Rathauskeller“ stehen. Trotzdem wurde „beschlossen“.

Bei den Baugebieten handelt es sich um landwirtschaftliche Grünflächen, wobei die Flächen W1 und W1a unmittelbar am Kampmoor (früher auch Feldmark genannt) liegen. Frühere Eigentümer des Schrebergartens wollten all die Jahre hier ein kleines Wochenendhäuschen erstellen, allein die Stadt hat derartiges Ansinnen mit ‚dieses wird kein Bauland‚ jedesmal wieder abgelehnt.

Die Fläche W2 stellte sich im Laufe des Verfahrens als höhergradig mit Altlasten kontaminiert, die Fläche W1a – neben kritischen Problemen mit dem Artenschutz (vgl. Landschaftsplan zum FNP) – ebenfalls als kontaminiert heraus. Schlussendlich blieb nur die Fläche W1 für eine Wohnbebauung übrig.

Die Anwohner erfuhren dann im Jahre 2018 – auf Grund von Zeitungsmeldungen von einer Bauantragstellung eines Bauträgers – von den Absichten die Feldmark zu bebauen. Eigentümer des größeren Hauptgrundstücks ist eine auch in der Politik gut bekannte Familie im Norden der Stadt, die u.a. im Sanitär- und Heizungshandwerk tätig ist.

Dieser Umgang mit den Bürgern hier im Norden führte in Summe insbesondere in der Siedlung in Haslohfurth zu großem Unverständnis über den Weg der Stadt, zu erheblichster Betroffenheit und zu großer Wut über die arogante Art und den ignoranten Umgang gegenüber mündigen Bürger, ganz abgesehen von den Auswirkungen durch die weitere unwiederbringliche Zerstörung der Feldmark ganz am Rande von Norderstedt.

Die Empörung ist zum einen deswegen so groß, weil der Charakter des nördlichen Stadtteils Haslohfurth (ausgewiesen als Gebiet nach Satzung §34 B BauG (2. Ergänzung, leider z.Zt. fehlerhaft dargestellt) mit der dort vorgeschrieben Bebauung „Einfamilien- und Reihenhäuser“) nunmehr mit bis zu 4-geschossigen Gebäuden gerade im naturnahen Außenbereich aus rein wirtschaftlichen Gründen verloren gehen soll.

Zum anderen wird in einem gemeinsamen Trinkwasserschutzgebiet für Norderstedt, Quickborn und Henstedt-Ulzburg wieder ein Stück Natur unwiederbringlich zerstört, welches u.a. für Rehwild, Fasanen, Hasen, Fledermäusen, Vögeln und mit Sicherheit vielen Insekten und Amphibien Heimat ist. Und das heute in den Zeiten von Klimakatastrophe, Arten- sowie Insekten- und Vogelsterben!

Gewiss, für „Zu“bauten werden „vermeintliche“ Ausgleichsflächen geschaffen, aber eben nicht in Norderstedt, anderswo und damit für uns Bürger hier im Norden überhaupt nicht vergleichsweise unmittelbar nutzbar. Übrig bleibt Beton.

Und das wollen sich viele von uns nicht gefallen lassen und haben die Interessengemeinschaft Haslohfurth gegründet.

Klar, in Norderstedt fehlt Wohnraum, preiswerter Wohnraum.

Wohnraum soll auch nach unserer Meinung unbedingt entstehen, aber eben in einer der Form und Charakter des §34-Gebietes Haslohfurth, d.h. mit dem gewachsenen natürlichen Milieu angepassten Art und Weise, sprich angepasst an die bestehende Bebauung der Gebiete „Im Gehölz“, der „Strandkorbsiedlung“, der nördlichen Ulzburger Straße und der Siedlungsbebauung um den Flensburger und den Schleswiger Hagen herum.

Wenn Sie beim Lesen bis hier gekommen sind (vielen Dank dafür!) werden Sie auch verstehen, wie wir zu unserem Slogan:

BAUEN NICHT UM JEDEN PREIS

gekommen sind. Und schon gar nicht weil ein Investor aus rein gewinnorientierten Interessen dieses durch hochverdichteten und völlig unpassenden Hochhaus-Geschossbau am Stadtrand direkt in der Feldmark so will.

Fehler 404 - Datensatz nicht gefunden